Was ist Gesundheit?

Es gibt Tausende von Artikeln in der Presse und Hunderte von Büchern, die sich mit Krankheiten, aber nur sehr wenige, die sich mit Gesundheit beschäftigen. Warum ist das so? Ganz klar, mit Gesundheit lässt sich weit weniger Geld verdienen als mit den Krankheiten. Lediglich im alten China soll der Hausarzt nur so lange bezahlt worden sein, solange man man gesund blieb.

Was ist überhaupt Gesundheit?

Gesundheit ist sicher wesentlich mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Sowohl für die Tiere als auch für den Menschen ist Gesundheit als Normalzustand von Natur aus vorgesehen. Gesundheit ist jedoch weniger ein statischer Zustand als vielmehr ein dynamischer Prozess. Jede Lebensform ist in einem dynamischen Austausch mit der Umgebung. Die Biologie spricht hier von einem „Fließgleichgewicht“, auch steady state genannt. Im Idealfall ist ein Organismus gesund, wenn er mit einer gesunden Umwelt in einem natürlichen Energie- und Stoffaustausch steht. Leben ist Veränderung, alle Lebensprozesse verlaufen dynamisch. In diesem Prozess stehen viele Faktoren in Wechselwirkung zueinander.

Zu diesen Faktoren gehören zum Beispiel:

Genetische Veranlagung (Vererbung), Ernährung, Bewegung, Körperhygiene, Schlafgewohnheiten, psychischer Zustand, positives oder negatives Denken, Arbeitsbedingungen, Atmungsqualität, belebende Beziehungen sowie viele Einflüsse aus der Umwelt wie Luftverschmutzung, denaturierte Nahrung, schädigende technische Strahlungen, Lärm, iatrogene Krankheiten – das sind Krankheiten, die durch ärztliche Maßnahmen wie Impfungen verursacht werden – und viele andere mehr.

Indem wir jedem Gesundheitsfaktor die nötige Aufmerksamkeit und Zuwendung  angedeihen lassen, bleiben wir in diesem harmonischen Prozess, der uns ein vitales und beglückendes Leben ermöglicht und den wir Gesundheit nennen.

Alle diese Bereiche beeinflussen sich gegenseitig. Schon ein wesentlich geschwächter Faktor kann den Ausbruch einer bestimmten Krankheit begünstigen. So hat zum Beispiel ein sich sehr einsam fühlender Mensch einer möglichen Infektionskrankheit weniger entgegenzusetzen als einer, der in einer erfüllenden Beziehung lebt. Wenn unsere Seele voll von Neid, Groll, Hass, Ärger, Stolz oder Angst ist, dann wird unser Körper uns früher oder später mit einer Krankheit darauf aufmerksam machen, dass wir uns um die Wiederherstellung des Gleichgewichts bemühen sollten.

Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.

Gesundheit ist immer ein Ganzes, es gibt keine Teilgesundheit. In den alten schamanischen Kulturen wurde bei Heilritualen immer der ganze Mensch behandelt. Auch im mittelalterlichen Europa bis zum Beginn der Neuzeit verstand man die Medizin als ärztliche Heilkunst. Ein Künstler ist ein Mensch, der zur Freude und Erbauung seiner Mitmenschen etwas einmalig Schönes schafft. Ein Kunstwerk repräsentiert immer eine dargestellte Idee. In diesem Sinne bringt die ärztliche Heilkunst die Gesundheit eines Menschen immer wieder in den harmonischen ganzheitlichen Zustand. Der Arzt als „Heilkünstler“ unterstützt also den kranken Menschen auf seinem Weg zur Rückgewinnung seiner vollen Gesundheit.

Seit die Technik und die Naturwissenschaften nach der Aufklärung so große Errungenschaften gemacht haben, ist die Medizin weitgehend zu einer mechanistischen und chemisch-physikalischen Behandlungsmethode verkommen. Dabei ist anzuerkennen, dass die moderne Medizin auf gewissen Gebieten wie der Diagnose, der Wiederherstellungsmedizin, der Chirurgie, der Zahnmedizin, den lebensrettenden Sofortmaßnahmen und anderen Gebieten Großartiges zu bieten hat. Heute nähern wir uns jedoch bedenklich einer Ersatzteilmedizin. Organtransplantationen können zwar dazu beitragen, unser Leben zu verlängern. Die volle Gesundheit der betreffenden Menschen kann allerdings nicht durch Spenderorgane wiederhergestellt werden, da das „gespendete“ Organ immer ein Fremdkörper bleibt, weshalb lebenslang Medikamente gegen eine Abstoßung eingenommen werden müssen.

Durch die zunehmenden krank machenden Einflüsse aus der Umwelt wie Mikrowellenstrahlung, Umweltgifte in der Nahrung, Stress oder die Manipulation durch die Medien ist der Mensch dauernd aufgefordert, die Prozesse der Erhaltung seiner natürlichen Gesundheit nach bestem Wissen und in eigener Verantwortung zu unterstützen. Das Wichtigste dabei ist, immer sensibler auf die Signale des Körpers zu achten und entsprechend zu handeln. Wenn der Körper träge wird, so kann ihn eine kleine Wanderung in zügigem Tempo durch den Rhythmus des Gehens und die vermehrte Sauerstoff- und Pranaaufnahme neu beleben. Ist der Körper aber sehr müde, so signalisiert er, dass er jetzt Ruhe und Schlaf braucht. Indem der Mensch in sich hineinfühlt, kann er wahrnehmen lernen, ob es sich um Trägheit oder Müdigkeit handelt.

Je sensibler wir werden, umso genauer nehmen wir die Signale unseres Körpers wahr und umso besser können wir diese deuten. Wir wissen dann, was auf den Körper belebend wirkt und was den Prozess der Gesundung unterstützt. Die Pflege unserer Gesundheit gehört zu unseren vordringlichsten Lebensaufgaben. Wer sich nicht frühzeitig in jüngeren Jahren um seine Gesundheit bemüht, der wird im Alter viel Zeit für die Pflege seiner Krankheiten aufwenden müssen.

Jeder Mensch ist einmalig.

Somit ist auch das gesunde Gleichgewicht aller oben erwähnten Gesundheits- und Lebensfaktoren ganz individuell. Schon vor diesem Hintergrund ist das Verabreichen einer standardisierten Impfung an Tausende von Menschen völlig unsinnig, denn jeder Mensch hat sein ganz individuelles Immunsystem, das sich aus dem Zusammenwirken der einzelnen Faktoren ergibt. Ein gutes Beispiel, das diese Tatsache bestätigt, ist an den verschiedenen Ernährungstheorien zu erkennen. Es gibt Dutzende von Ernährungsformen von der Blutgruppendiät bis zum Veganismus, doch keine davon gilt für alle Menschen. Es sind immer nur einzelne Menschen, die mit irgendeinem dieser Ernährungskonzepte bei der Wiedergewinnung ihrer vollen Gesundheit Erfolg haben. Aber an jeder dieser Ernährungstheorien ist etwas Wahres dran. Diese Vielfalt zeigt, dass nur der Einzelne weiß, was für ihn die richtige Ernährung ist – in dem betreffenden Lebensalter und den besonderen Lebensumständen –, wenn er auf seinen Körper und dessen Botschaften achtet. Das Gleiche gilt für medizinische Behandlungen. In diesem Sinne sollte der Arzt eine wirkliche Heilkunst praktizieren. Um dieser Einmaligkeit des Menschen in seinem Streben nach voller Gesundheit gerecht zu werden, sollte der Arzt idealerweise neben seinen schulmedizinischen Kompetenzen auch über Kenntnisse in Homöopathie, in der traditionellen chinesischen Medizin und in der anthroposophischen Heilkunst verfügen und aus dieser Vielfalt an Möglichkeiten das passende Heilmittel für den jeweils betroffenen Menschen finden.

Die Beziehung zwischen Gesundheit und Umwelt ist von zentraler Bedeutung.

Ein Mensch, der achtsam mit seiner Gesundheit umgeht, diese als einen naturgegebenen Gleichgewichtszustand versteht und dankbar schätzt, wird auch seiner Umwelt und der ganzen Biosphäre den gleichen Respekt entgegenbringen. Wen wundert es da, dass in der heutigen Zeit mit den großen Umweltproblemen auch die Krankheitsthematik einen immer größeren Zeit-, Energie- und Geldaufwand verlangt?

Die heutige Medizin hat ihre Bemühungen auf das Therapieren ausgerichtet. Es ist an der Zeit, dass sie sich wieder auf eine wirkliche Heilkunst besinnt, besteht doch die vornehmste Aufgabe des Arztes darin, den Menschen gesund zu erhalten und nicht nur dessen Krankheiten zu behandeln.

Ich hoffe, liebe Leserin und lieber Leser, Ihnen mit diesen Ausführungen neue Impulse gegeben zu haben, die Sie motivieren, noch mehr auf Ihre Gesundheit zu achten und die volle Verantwortung für sie zu übernehmen.

Peter Lüpold

Artikel erschienen im IMPULS Magazin Nr. 6/17