Unabhängigkeit – ein Fremdwort in der Medizin?

Wissenschaftliche Studien, auf deren Grundlage oft nachhaltige Entscheide gefällt werden, bedingen Unabhängigkeit. Was genau ist damit gemeint? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit eine Studie als unabhängig bewertet werden kann? Was ist nötig, damit Wissenschaftler zu Recht als unabhängig bezeichnet werden können?

Zunächst folgt eine Aufstellung von Definitionen des Begriffes „unabhängig“ aus www.duden.de:

Unabhängigkeit kann und muss nach mehreren Faktoren beurteilt werden. Jemand, der ein Studium abgeschlossen hat, zum Beispiel ein Medizinstudium, und anschließend nachweislich unabhängig von irgendwelchen Unternehmen – in unserem Fall von Impfstoffherstellern – tätig ist, muss nicht allein aus diesem Grund unabhängig sein, denn jedes Studium bewirkt eine Färbung des Gedankenguts. Wenn die Vorgaben für Wissenschaftler hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit jedoch klar strukturiert sind, kann dieser Punkt vernachlässigt werden.

Grundsätzliches zum Begriff „unabhängig“

Der Begriff „unabhängig“ besteht aus dem Wortstamm „abhängig“, „anhängen“, also ein Anhänger sein, zum Beispiel von einer Ideologie, einer Einstellung, eines anderen Menschen und so weiter. Die Vorsilbe „un“ zeigt an, dass keine solche An- beziehungsweise Abhängigkeit besteht. Um als unabhängig zu gelten, darf demnach eine Fachkraft keiner Ideologie und keinem anderen Menschen anhängen beziehungsweise von dieser oder ihm abhängig sein, insbesondere nicht von Geldgebern. Anderenfalls läuft sie Gefahr, dass sie Vorgaben, Äußerungen, Ansichten und so fort bewusst oder unbewusst übernimmt und sich gewissermaßen programmierter „Überlegungsmuster“ bedient.

Auch darf kein finanzieller Anreiz einen Einfluss auf irgendwelche Überlegungen oder Schritte haben, denn sonst wird das Vorgegebene häufig ungeprüft übernommen beziehungsweise als alleinige oder als nicht zu hinterfragende Wahrheit – meist eine notwendige Voraussetzung für „Erfolg“ – angesehen. .

Die Voraussetzungen für Unabhängigkeit in der Wissenschaft

Ein unabhängiger Wissenschaftler darf keiner Institution, keiner Firma und keinem Hersteller unterstellt sein und auch in seinen Gedanken und Überlegungen keiner Ideologie folgen. Er muss seine Erhebungen und Untersuchungen absolut frei durchführen können.

Jeglicher Einfluss aus einer nicht neutralen Richtung  – zum Beispiel von Behörden, Herstellern oder Geldgebern einer Universität – muss ausgeschlossen sein. Er muss von Beginn an alle Resultate einer gesamten möglichen Bandbreite als Wahrscheinlichkeit anerkennen können, dürfen und sollen.

Auf keinen Fall darf er schon vor der Erhebung von Daten oder vor dem Design eines Studienganges ein mögliches, gewünschtes, erwartetes beziehungsweise „nötiges“ Resultat favorisieren. Jegliche Zielfavorisierung führt dazu, das die Ergebnisse nicht mehr unabhängig, sondern mehr oder weniger verzerrt und damit unbrauchbar sind.

Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Ende 2013 geplante Studie „Nutzen und Risiken von Impfstoffen“ der Universität Basel. Hier ist schon aufgrund der Finanzierung eindeutig eine Beeinflussung durch Interessengruppen zu erkennen:

Finanzierung durch Public-Private-Partnership

Die Finanzierung des Vorhabens stellt die Innovative Medicines Initiative (IMI) sicher. Dabei handelt es sich um eine Public-Private-Partnership der Europäischen Kommission und der European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA), die Teil des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms ist. Die Advance-Partner erhalten von der Europäischen Kommission finanzielle Mittel in der Höhe von fünf Millionen Euro. Davon gehen 671.000 Euro an Fördermitteln an die Basler Partner. Die Impfstoffhersteller beteiligen sich durch Eigenfinanzierung und mit Sacheinlagen in der Höhe von weiteren fünf Millionen Euro; der Rest stammt von Dritten.

Dazu kommt, dass die Ergebnisse bereits in der Beschreibung auf der Website[1] der Universität Basel vorweggenommen werden. Der Text lautet: „Dies(e) wird helfen, das Vertrauen in Impfprogramme als erfolgreiches Mittel zur Kontrolle von Infektionskrankheiten zu fördern.“ Man weiß also schon vor der Beendigung der Studie, was dabei herauskommen wird, und zwar, dass Impfungen ungefährlich und nützlich sind sowie die Menschheit vor Krankheiten schützen.

Mit der Vorgabe der Ziele wird deutlich gemacht, dass man gar keine anderen Resultate erwartet oder wünscht. Diese Studie ist demzufolge von vornherein wertlos. Interessanterweise ist sie derzeit nicht auffindbar. Ob sie eingestellt wurde oder im Geheimen weiterhin durchgeführt wird, entzieht sich unserer Kenntnis.

Eine Studie zur Untersuchung von Impfungen ist grundsätzlich durchaus zu begrüßen, allerdings nicht unter solchen Vorzeichen. Auf alle Fälle müssten Mitglieder aus impfkritischen Kreisen einbezogen werden, doch das Nichtreagieren der Universität Basel auf diverse entsprechende Schreiben macht klar, dass darauf kein Wert gelegt wird.

Somit ist diese Studie in Hinblick auf Unabhängigkeit eine Farce und nichts weiter als eine Geldverschwendung. Die öffentliche Hand sollte sich an solchen Studien weder direkt noch indirekt finanziell, logistisch oder sonst wie beteiligen dürfen.

Eine unabhängige Finanzierung

Eine Impfstudie ist nur dann wirklich unabhängig, wenn die Studienleiter in keinerlei Hinsicht voreingenommen sind. Sie sollten so neutral wie möglich sein und die Zusammensetzung der daran Beteiligten sollte die gesamte Bandbreite von Ansichten und Fähigkeiten[2] widerspiegeln.

Die Hersteller des zu prüfenden Impfstoffes haben diese Studien zu finanzieren. Hierzu sollte ein geeigneter Topf geschaffen werden. aus dem die Kosten dafür in der Folge von einer externen Stelle zu begleichen wären.

Die Studienleiter und deren Mitarbeiter sollten den Herstellern, die ja im Prinzip legitime finanzielle Interessen an der schnellen Einführung ihrer Produkte haben, unbekannt sein und bleiben. Überdies sollte der Studienleiter den Hersteller nicht kennen.

Versucht ein Hersteller, auf einen Studienleiter Einfluss zu nehmen, sollte das Produkt zurückgewiesen werden und keine Zulassung bekommen. Wenn ein Studienleiter oder ein Mitarbeiter mit dem Hersteller in Kontakt treten sollte, ist der Betreffende von der Studie auszuschließen und mit einer Geldbuße zu belegen.

Außerdem sollte das Studiendesign so beschaffen sein, dass damit die Sicherheit einer Impfung auch tatsächlich überprüft werden kann. Es dürften zum Beispiel ausschließlich echte Placebos, also Placebos, die völlig frei von Wirkstoffen sind, in der Kontrollgruppe verwendet werden und keine „Scheinplacebos“ in Form von bereits zugelassenen Impfstoffen.

Wenn es jemals zu derartigen Untersuchungen kommen sollte, wäre es allerdings überaus fraglich, ob danach irgendein Impfstoff überhaupt eine Zulassung erhalten würde.

Eine unabhängige Kontrollinstanz

Bei Impfungen und Medikamenten sollte es primär um die Gesundheit der Menschen gehen, aber die Erfahrung zeigt, dass dies nicht der Fall ist. Die Hersteller versuchen unter anderem, durch Lobbyarbeit, Sponsoring von Fachpersonal und Politikern, die Beeinflussung von Medien und der Bekämpfung von Kritikern zu erreichen, dass die Gesetze entsprechend angepasst werden, die Zulassungsbehörden „freundlich“ prüfen und ihre Produkte schnell auf den Markt kommen, damit sie möglichst früh Gewinne abwerfen.

Die Gesundheit des Volkes muss auch für Behörden das oberste Gebot sein. Die Behörden sollten eine unabhängige Kommission als Kontrollinstanz einsetzen, die dafür sorgt, dass in allen Bereichen die Unabhängigkeit sichergestellt ist. Diese Kommission sollte Personen mit den verschiedensten Kompetenzen und Erfahrungen aus den verschiedensten Bereichen wie Politik, Finanzwesen und Statistik enthalten.

Erfahrungsgemäß agieren die weltweiten Gesundheitsbehörden, die für die Zulassung und die nachfolgende Überwachung zuständig sind, nicht unabhängig, sie lassen sich vielmehr von der Wirtschaft stark beeinflussen[3]. Studiendesigns werden zwar manchmal hinterfragt, aber immer nur aus dem Blickwinkel der Hersteller. Somit ist eine nachhaltige und objektive Beurteilung gar nicht möglich. Dies ist auch der Grund dafür, dass immer wieder Medikamente und Impfstoffe vom Markt genommen werden.

Im Bereich der Gesundheitssicherheit wird nicht mit demselben Maß gemessen, so wie das in anderen Bereichen, wo es um Sicherheit geht, üblich ist. Zeigt sich zum Beispiel bei einem Auto auch nur ansatzweise ein sicherheitsrelevanter Mangel, werden die betreffenden Modelle umgehend zurückgerufen, in Werkstätten kontrolliert und wenn nötig in Ordnung gebracht.

Medikamente oder Impfungen, die Probleme verursachen, bleiben jedoch im Allgemeinen so lange am Markt, bis die Behörden aufgrund von öffentlichem Druck reagieren müssen. Der Schaden ist mitunter um ein Vielfaches größer, als ein möglicher Nutzen hätte sein können.

Was die Nebenwirkungen von Medikamenten und Impfstoffen betrifft, ist eine entsprechende Aufschulung der Ärzte erforderlich. Diese haben alle Nebenwirkungen zu melden, unabhängig davon, ob sie einen Zusammenhang mit einer vorab verabreichten Impfung sehen können oder wollen. Es ist höchste Zeit, sich von dem Dogma, dass Impfungen nur in äußerst seltenen Fällen Nebenwirkungen hervorrufen würden, zu verabschieden.

Dies geht jedoch nur dann, wenn jeder Impfarzt gesetzlich verpflichtet ist, sämtliche Nebenwirkungen einer Impfung konsequent zu melden, damit rechtzeitig festgestellt werden kann, ob es sich dabei um einen Impfschaden handelt oder um eine Korrelation, also um ein rein zufälliges Auftreten eines Krankheitssymptoms. Leider sind die wenigsten Mediziner in der Lage, eine solche Unterscheidung zu treffen. Aber eine solche Meldepflicht wäre immerhin ein erster Schritt.   

Fazit

Es ist eine komplette Umstrukturierung der heutigen Kontrollinstanzen im weltweiten Gesundheitswesen sowie ein Lobbyverbot nötig – zumindest im Bereich der Medizin. Politiker dürfen sich unter keinen Umständen instrumentalisieren lassen.

Jegliche Beeinflussung der Gesetzgebung durch die Wirtschaft muss unterbunden werden. Anregungen dürfen natürlich analog den herrschenden Gepflogenheiten der Vernehmlassung und Anhörung neuer Gesetze weiterhin gegeben werden.

Krankenkassen sollten in erster Linie die Gesunderhaltung des Volkes im Auge haben und daher nur Medikamente, Impfungen oder Dienstleistungen bezahlen, die zusätzlich nach den noch zu erstellenden Unabhängigkeitsregeln überprüft wurden.

Darüber hinaus  darf es keinerlei finanzielle Anreize für Ärzte geben, ohne medizinische Indikation weitere Untersuchungen oder gar Eingriffe vorzunehmen. Die Ärzte müssen verpflichtet sein, ihre Leistungen unabhängig von der Höhe der Honorierung einer bestimmten medizinischen Maßnahme zu erbringen.

Das gesamte Gesundheitswesen ist dem freien Markt zu unterstellen, dieser darf weder politisch noch behördlich reguliert werden. Grundsätzlich darf kein Heilverfahren benachteiligt werden. Schulmedizin und Alternativmedizin sind als gleichberechtigt anzusehen.[4]

Damit der heutige „Krankheitsmarkt“ menschengerecht wird und den Namen Gesundheitssystem verdient, gehört auch, dass jeder Therapeut für ein Vergehen oder ein Fehlverhalten zur Verantwortung gezogen werden kann, das heißt, dass er dafür in angemessenem Umfang zu haften hat.

Daniel Trappitsch

Artikel erschienen im IMPULS Magazin Nr. 5/17

 

[1] http://www.unibas.ch/index.cfm?uuid=8FA5C8BACEE00F80CD310D3124F7F3C7&type=search&show_long=1

[2] http://www.spiegel.de/forum/gesundheit/statistik-know-how-warum-viele-aerzte-ihre-patienten-falsch-beraten-thread-65917-1.html

[3] Schäden durch die HPV-Impfung werden von den Behörden weitgehend ignoriert, obwohl es von Beginn an Hinweise gab, dass der HPV-Impfstoff nicht sicher ist.

[4] Siehe hierzu das Buch „Medizin – heute und morgen“