Risiko- und Gesundheitskompetenz

Das Leben war nie ohne Risiko und das wird es auch nie sein, da kann die Menschheit noch so grandiose Fortschritte machen. Deshalb braucht es ein passendes Risikomanagement und im Bereich der Gesundheit eine entsprechende Gesundheitskompetenz. Für beides ist kein Hochschulabdiplom und auch kein Doktortitel nötig, sondern gesunder Menschenverstand, Forscherdrang und Offenheit für Neues.

In diesem Artikel beschränken wir uns auf den Einfluss von Impfungen auf die Gesundheit, ein Thema, das speziell bei uns extrem polarisiert. Für die einen fördern Impfungen die Gesundheit, für die anderen wird dadurch die Gesundheit gefährdet. Hier geht es um die Frage, wie diesbezüglich ein effektives Risiko- und Gesundheitsmanagement aussehen könnte.

Ein Nullrisiko ist eine Illusion

Wir sind aufgefordert, Risiken richtig einzuschätzen und mit ihnen vernünftig umzugehen. Das heißt zum Beispiel, das Für und Wider hinsichtlich einer medizinischen Maßnahme abzuschätzen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Idealerweise sollte die Fähigkeit hierzu bereits in der Schule vermittelt werden, allerdings von unabhängiger und fachkundiger Seite.

Grundsätzlich ist der blinde Glaube an Autoritäten fatal, denn an etwas Bestimmtes zu glauben, heißt ja, darüber nichts zu wissen. Einem Arzt in Bezug auf Impfungen, Medikamente oder chirurgische Eingriffe vorbehaltlos zu vertrauen und dessen Ansichten anschließend selbstgewiss zu vertreten, hat jedenfalls nichts mit der Bildung einer fundierten eigenen Meinung zu tun.

Dass Impfungen gravierende Nebenwirkungen haben können, ist unbestritten. Nur werden diese normalerweise von Ärzten deren Patienten vorenthalten beziehungsweise bagatellisiert, nicht selten aus Unkenntnis oder Profitinteressen. Deshalb ist es wichtig, sich selbst darüber zu informieren – auch im Interesse der Kinder, für die man verantwortlich ist. Dazu gehört nicht nur das Lesen der Beipackzettel, sondern vor allem die Bereitschaft, sich auch mit impfkritischen Publikationen auseinanderzusetzen oder impfkritische Vorträge zu besuchen.

In einem aktuellen Interview aus der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) vom Sonntag, den 29. Mai 2016, von Gerd Gigerenzer (siehe Buchvorstellung) heißt es:

„Menschen brauchen mehr Risikokompetenz. Das ist die Fähigkeit, mit den Ungewissheiten einer modernen technologischen Welt umzugehen. Sie ist gerade in der Medizin wichtig: Viele Patienten sind verwirrt, wenn sie Diagnosen mit Wahrscheinlichkeiten erhalten. Sie wissen nicht, was sie fragen sollen. Risikokompetenz braucht man nicht nur zum Verständnis von Statistiken, sondern auch, um die eigenen Gefühle besser zu verstehen. Konkret: warum wir vor Dingen Angst haben und vor anderen nicht.“

Weiter führt er aus:

„... werden Ärzte meist nicht ausgebildet, statistisch zu denken. Laut unseren Studien verstehen rund 70 bis 80 % der Ärzte Gesundheitsstatistiken nicht und können einen Fachartikel nicht wirklich kritisch bewerten.

Aufschlussreich ist auch die folgende Aussage von Gigerenzer: „Es gibt immer politische Interessen; mit ängstlichen Bürgern kann man viel machen.“ Aus diesem Grund ist jeder gut beraten, nie aus der Angst heraus zu entscheiden. Angst verhilft weder zu einer Risikokompetenz noch zu einer Gesundheitskompetenz. Im Gegenteil: Sie verleitet häufig zu Kurzschlussentscheidungen, die nicht selten im Nachhinein bedauert werden.

Wie erlangt man Kompetenz in Gesundheitsfragen?

Nehmen wir das Autofahren als Beispiel. Nach den Lehrfahrstunden und der Prüfung kann man dies zwar meist einigermaßen gut und die wichtigsten Verkehrsregeln sind einem auch bekannt, es fehlen jedoch Routine und Erfahrung. Entsprechend verhält es sich bei der Entwicklung der Risiko- und Gesundheitskompetenz. Zuerst sollte man sich das notwendige theoretische Wissen erarbeiten und sich dabei auch mit Literatur befassen, die hinsichtlich der schulmedizinischen Lehren und Praktiken kritisch sind. In den Mainstreammedien werden nämlich fast ausschließlich Pro-Schulmedizin-Informationen verbreitet. Dies gilt besonders für das Impfen, das dort als eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin gepriesen wird. Beim Kauf eines Autos würden wir uns schließlich auch nicht nur auf die Argumente und Angaben eines Autoverkäufers verlassen, sondern uns aus verschiedenen Quellen kundig machen.

Zur Kompetenz gehören demnach korrekte Informationen – wobei es nicht nur auf rein intellektuelles Wissen ankommt –, Erfahrungen und Beobachtungen, in Verbindung mit unabhängigem, vernetztem und ganzheitlichem Denken und Fühlen sowie der Intuition. Auch beim Autofahren ist es oft nötig, intuitiv zu reagieren – unter Umständen entgegen der gelernten Verkehrsregeln, denn es gibt keine Regel ohne Ausnahme. So würde wohl kein Autofahrer davon ausgehen, dass die Regel, nach der jemand, der von rechts kommt, Vorfahrt hat, immer gültig ist.

Wer Kompetenz entwickeln will, sollte eine offene und undogmatische Haltung einnehmen, außerdem sollte er bereit sein, das als richtig Erkannte konsequent umzusetzen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, folgt der Rest wie von selbst – analog dem Resonanzgesetz.

Die Gesundheitskompetenz in der Schweiz ist nachweislich mangelhaft bis schlecht

Eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Umfrage des Bundes, die im Jahre 2015 gemeinsam mit der „Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz“, durchgeführt wurde, zeigt auf, dass die Gesundheitskompetenz der Schweizer und Schweizerinnen zu wünschen übrig lässt. Hierzu ein Zitat aus der Website BAG[1]:

Jede zehnte Person in der Schweiz verfügt über eine ausgezeichnete Gesundheitskompetenz. Bei etwas mehr als einem Drittel der Bevölkerung ist sie ausreichend, bei rund 45 Prozent aber problematisch und bei 9 Prozent unzureichend.“ Und weiter: Gesundheitskompetenz ist die Fähigkeit des Einzelnen, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Analysiert wurde die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in den drei Bereichen ‚Krankheitsbewältigung‘, ‚Krankheitsprävention‘ und ‚Gesundheitsförderung‘. Dabei zeigt sich, dass die Schweizer Wohnbevölkerung vor allem im Bereich der Krankheitsprävention Schwierigkeiten hat, Informationen zu verstehen und zu beurteilen. So sind zum Beispiel die Fragen, warum Impfungen nötig sind [Hervorhebung durch den Verfasser] oder welche Impfungen eine Person braucht, für die Befragten schwierig zu beantworten. Unsicherheiten bestehen auch bei Fragen rund um medizinische Vorsorgeuntersuchungen.“

Interessant ist die Aussage, dass die Kompetenz bei der Krankheitsprävention durch Impfungen mangelhaft sei. Es fällt der Mehrzahl von uns Schweizern offenbar schwer, die Vor- und Nachteile einer gesundheitlichen Maßnahme oder Therapie zu beurteilen, zum Beispiel einer Impfung. Dafür dürfte es den meisten leichtfallen, Empfehlungen und Anweisungen von Ärzten und Apothekern zu befolgen.

Ein auffälliges Resultat der Studie ist: Je gebildeter ein Mensch ist, desto höher ist seine Gesundheitskompetenz und desto niedriger sind seine  Aufenthaltstage im Spital. Schon mehrfach haben Untersuchungen – unter anderem von Behörden – ergeben, dass Personen in impfkritischen Kreisen über eine höhere Schulbildung verfügen. Doch nicht ein Hochschulabschluss ist dafür entscheidend, sondern die gründliche und vorurteilslose Beschäftigung mit dieser Thematik – falls erforderlich auch autodidaktisch. Und wer so vorgeht, wird erfahrungsgemäß geradezu zwangsläufig Impfungen kritisch sehen.

Fazit

Grundsätzlich ist es jedem möglich, eine ausreichende Risiko- und Gesundheitskompetenz zu erreichen, wenn er nur die Geduld und die Disziplin aufbringt, sich die nötigen Kenntnisse anzueignen – so wie auch jeder Samen seine Zeit braucht, bis aus ihm eine Pflanze wächst, deren Früchte wir eines Tages ernten können. Doch diese Zeit ist eine gute Investition in die eigene Gesundheit und die Gesundheit seiner Mitmenschen.

Daniel Trappitsch

Artikel erschienen im IMPULS Magazin Nr. 3/16

 

[1] https://www.news.admin.ch/dokumentation/00002/00015/?lang=de&msg-id=62035