Bosheit und Schlampigkeit sind Alltag in Krankenhäusern

Manchmal braucht es ein gewisses Alter und die entsprechende Reife von Wissenschaftlern, damit sich diese trauen, die Wahrheit auszusprechen und das Kind beim Namen zu nennen. In vielen Bereichen gibt deshalb es immer wieder Menschen, die Hintergründe aufdecken, die höchst unerfreulich sind.

Dazu gehört auch Dr. med. Jürgen Kuhl, ein Facharzt für Frauenheilkunde im Ruhestand. Was Dr. Kuhl an den Tag gebracht hat, ist beunruhigend und beängstigend. Der Gang in ein Spital, , sollte deshalb gut überlegt werden, es sei denn, es handelt sich um einen Notfall.

Aber lassen wir Dr. Kuhl sprechen. Hier eine kurze Übersicht:

  • Viele Ärzte stolpern meist über ihre eigene Arroganz und Inkompetenz.
  • Daraus resultieren dann oftmals falsche Diagnosen und Fehlbehandlungen.
  • Als Arzt kann ich über meinen Berufsstand manchmal nur den Kopf schütteln.

Wenn ich auf meine dreißigjährige ärztliche Tätigkeit als Frauenarzt zurückblicke, kann ich meinen Kollegen kaum Verständnis entgegenbringen: Sie stolpern meist über ihre eigene Arroganz und machen dann andere für ihre Fehlleistung verantwortlich. Meine Verärgerung geht mittlerweile so weit, dass ich streng zwischen Ärzten und Medizinern unterscheide: Ärzte bereichern ihr medizinisches Wissen mit Empathie, während Mediziner weitgehend darauf verzichten und abgefertigte frustrierte Patienten zurücklassen. Mangelndes Engagement und Gleichgültigkeit setzen sich als Übel fort und ergreifen das ärztliche Assistenzpersonal. Schlampigkeit macht sich breit.

Anders jedenfalls ist es mir nicht erklärbar, dass trotz hoch qualifizierter Ausbildung in Krankenhäusern jährlich rund 50.000 Menschen an Verwechslung der Medikamente sterben. Auch ich, der nach einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmt ist und von seiner Tätigkeit als Arzt direkt in den Rollstuhl katapultiert wurde, kann davon ein Lied singen: Ich lag in einer universitären neurologischen Fachabteilung zum Austausch einer defekten Bandscheibe im Bereich der Halswirbelsäule, als gegen Ende meines Aufenthalts eine Krankenschwester ein Tablett mit Medikamenten brachte. Endlich ist das Krankenhaus in der Lage, mir meine speziellen neurologischen Medikamente zu verabreichen, die ich seit zwei Wochen von zu Hause bringen ließ, dachte ich mir. Doch ich war misstrauisch – zu Recht, wie sich sofort herausstellte: Die Medikamente, die mir dort serviert wurden, waren nämlich zur Behandlung des Patienten im Nebenzimmer gedacht. Allein mein ärztliches Wissen hat mir das Leben gerettet.

Fehlbehandlungen ohne Ende

Falsche Medikamente waren allerdings nicht der einzige Fauxpas, der meinen Ärzten seit meiner Behinderung unterlaufen ist: Ich erlitt einen Oberschenkel-Knochenbruch, weil man mich nicht darüber aufklärte, dass ich als Rollstuhlfahrer leicht eine Osteoporose bekommen könnte. Ich erkrankte an einer Lungenembolie, weil mein Arzt eine Thrombose im Bein übersah. Und nach einer verpfuschten Augenlid-Korrektur konnte ich das Lid nur nach einer erneuten OP wieder schließen.

Nach all diesen Erfahrungen stelle ich mir natürlich oft die Frage, wie all das passieren konnte. Schließlich handelt es sich doch um jahrelang praktizierende Ärzte, die ihr Handwerk beherrschen, sollte man meinen.

Die Leistung von Ärzten wird zu Recht kritisch beäugt

Fehlleistungen entstehen immer dann, wenn der „Goldstandard“ nicht erreicht beziehungsweise eingehalten wird. Bewährte und zielführende Handlungsabläufe werden so bezeichnet. Die kriminelle Ebene ist erreicht, wenn Sachverhalte vertuscht oder geleugnet werden – insbesondere dann, wenn Menschen zu Schaden oder gar zu Tode gekommen sind.

Da liegt es in der Natur der Sache, dass Fehler von Ärzten in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen werden als Fehler anderer Berufsgruppen. Nimmt man zum Beispiel den Gärtner, dessen Fehler vielleicht überhaupt nicht wahrgenommen würden, weil sie sich von selbst zurechtwachsen. Ähnlich ist es beim Friseur, dessen Fehlleistung zwar ersichtlich ist, im Endeffekt aber ebenfalls wieder von selbst verschwindet.

Patienten ernst nehmen

Der Weg ins Abseits öffnet sich meiner Meinung nach immer dann, wenn der Mensch nicht ernst genommen wird und Beschwerden leichtfertig und damit falsch eingeordnet werden. „Wir müssen das beobachten“ ist die schlimmste Worthülse, die ich kenne: Sie gaukelt dem Patienten Interesse vor, bleibt aber unverbindlich, weil sie keinen Zeitfaktor enthält, und ist völlig ergebnisoffen.

Einen Ausweg aus dem Dilemma können wir nur erreichen, wenn der Arbeitsdruck, der im Klinikbereich auf den Ärztinnen und Ärzten lastet, durch Aufstockung des Personals verringert wird – bei gleichzeitig adäquater Bezahlung. Gleiches gilt selbstverständlich für den Pflegesektor. Dann müsste sich jeder, der Kontakt mit Patienten hat, fragen, wie ihn sein Gegenüber sieht. Da sich an diesen Inhalten in den letzten dreißig Jahren nichts zum Positiven geändert hat, wünsche ich den kommenden Patientengenerationen schon jetzt gute Besserung. Lässt man die Rahmenbedingungen der ärztlichen Leistungserbringung einmal beiseite, dann bietet die Rückbesinnung auf die hippokratischen Postulate eine Lösung: Richte vor allem keinen Schaden an.

Quelle: XING

Fazit:

Für einen Fehler muss nicht immer ein Mensch verantwortlich sein. Der Grund dafür kann auch in der Unmenschlichkeit oder in der Ineffektivität eines Systems liegen. Warum stellen sich die Behörden nach wie vor quer, wenn es darum geht, Missstände im Gesundheitswesen zu beseitigen oder einschneidende Änderungen vorzunehmen? Und warum reagiert die Politik nicht? Schließlich ist die Gesundheit unser höchstes Gut. 

Daniel Trappitsch

Artikel erschienen im IMPULS Magazin Nr. 5/17